Zukunftsforschung: Fünf Trends, die auf die Österreicher zukommen – vom Wohlfühl-Büro bis zum Handy, das das TV-Gerät gleich mitbedient

von Uwe Mauch

Österreich im Wandel. Wer meint, dass sich in diesem Land nichts bewegt, der wird jetzt von Harry Gatterer eines Besseren belehrt. Der Tiroler Trendforscher leitet seit Anfang des Jahres die Wiener Dependance des Zukunftsinstituts. Exklusiv für den KURIER erklärt der Experte die wichtigsten Mikrotrends, die auch auf Österreich zusteuern.


Das Zukunftsinstitut wurde vor zwölf Jahren von Matthias Horx in Kelkheim bei Frankfurt gegründet. Bekannt wurden die Horx-Leute (inzwischen zwanzig fix angestellte Mitarbeiter, davon vier in Wien) unter anderem mit sehr konkreten Prognosen: Dass Frauen verstärkt das Konsumverhalten dominieren; dass Firmen, die sich mit ihrem Angebot an den Kunden nicht zwischen Qualität und Quantität entscheiden können, in der toten Mitte arg bedroht sind. „Natürlich haben wir uns auch schon geirrt, etwa mit einem vorhergesagten und dann so nie eingetretenen Babyboom“, gibt Gatterer zu, „aber nicht so oft wie die Wahlforschung“.

Wellness am Arbeitsplatz

50 aktuelle Trends wurden von seinen Kollegen in Deutschland für die neue Studie festgehalten. Manche gelten eins zu eins auch für Österreich. Andere sind sogar „hausgemacht“.
Einen Trend, der von innovativen Österreichern mitgestaltet wird, fand der Trendforscher nur wenige Schritte von seinem Büro entfernt: Im neuen Bene-Haus in der Neutorgasse.
Der weltweit erfolgreiche Büromöbelhersteller (Exportquote 70 Prozent) landet gerade mit seinem Wellness-Konzept Parcs auch international sehr beachtliche Erfolge. „Jemand, der sich an seinem Arbeitsplatz wohl fühlt, arbeitet auch viel effizienter“, erklärt Trendsetter Thomas Bene die Idee hinter einer Bürolandschaft, die mehr ist als nur Schreibtisch und Bürosessel, in der man es sich zu Besprechungen so richtig gemütlich machen kann. Fast so gemütlich wie im eigenen Wohnzimmer. Vom Wiener Ministerium bis zur kleinen Bankfiliale irgendwo draußen auf dem Land, von der Konzernniederlassung in Moskau bis zum Autohaus im Mittleren Osten, überall konnte Bene Entscheidungsträger begeistern. Auffallend für den Wellness-Fan Bene: Durch die Bank wären seine Kunden nachhaltig erfolgreich. Und deren Mitarbeiter zufrieden. „Einige kommen jetzt sogar früher ins Büro und gehen später nach Hause.“

Prinzip Leidenschaft

Trendforscher Gatterer schließt aus den Erfahrungen von Bene: „Das Potenzial der Mitarbeiter nutzen, ihre Leidenschaft für das eigene Produkt wecken und diese erhalten, das wird künftig zur wichtigsten Aufgabe in Betrieben.“ Noch hat sich diese Erkenntnis nicht in allen Unternehmen herumgesprochen. Klar. Sonst würde man wohl auch nicht länger von einem Mikro-, sondern von einem Megatrend sprechen.


www.zukunftsinstitut.at

© 03.08.2010 KURIER